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Thema: Elektro-PKW so klimaschädlich wie ein Verbrenner? (47-mal gelesen) Vorheriges Thema - Nächstes Thema

Elektro-PKW so klimaschädlich wie ein Verbrenner?

2017 wurde eine Studie vom schwedischen Umweltinstitut IVL, finanziert vom schwedischen Verkehrsministeriums und Energieministerium, durchgeführt1.  Sie wurde zum Kronzeugen einer Medienkampagne der Autoindustrie um in der Dieselaffäre zu retten was noch zu retten ist und einen Keil zwischen Umwelt- und Arbeiterbewegung zu treiben.  17 t CO2 würden bei der Herstellung einer Batterie für Elektro-PKW emmitiert und mindestens 200 000 km oder 8 Jahre muss ein Elektro-PKW fahren um allein die CO2 Emmissionen aus der Batterieproduktion zu kompensieren, hieß es noch mindestens bis Ende 20192. Die AfD toppt das ganze noch, indem sie behauptet, dass ein Elektro-PKW sogar 500 000 km fahren muss um die C02 Emissionen für die Batterieherstellung zu kompensieren3. Dabei hatte die schwedische Studie das alles gar nicht festgestellt. Sie gab lediglich einen Überblick über alte Studien und kam zu dem Schluss, dass die Datenlage nicht ausreicht um hier klare Aussagen zu treffen. Aus den schlechtestens Zahlen der schlechtesten alten Studien wurden dann die 17 t CO2 zusammengezimmert. Zur besten Sendezeit durften dann Kabarettisten wie Dieter Nuhr und Mario Barth ihre Polemik gegen Elektro-PKW und die Umweltbewegung zum Besten geben. Nuhr ist ja bekannt dafür, dass er Fridays for Future als „Klimahysteriker“ bezeichnet und befindet sich da auf AfD Niveau.
Tatsache ist, dass es eine Studie gibt, die bereits 2016 nachwies, dass ein Ford Focus E mit seiner 24 KWh Batterie lediglich 3,4t CO2 für die Batterieherstellung erzeugt4. Ein durchschnittlicher „Benziner“ stößt nach 20 000 km 3,7t CO2 aus (Verbrauch laut DEKRA)5. Bei einem Diesel sind es 3,4t. Nicht einberechnet ist hier der Energieverbrauch vom Bohrloch bis zur Tankstelle. Der wird regelrecht verschleiert.

Quellen:
1 The Life Cycle Energy Consumption and Greenhouse Gas Emissions from Lithium-Ion Batteries May 2017   http://www.energimyndigheten.se/globalassets/forskning--innovation/transporter/c243-the-life-cycle-energy-consumption-and-co2-emissions-from-lithium-ion-batteries-.pdf
2 https://www.focus.de/auto/ueber-elektromobilitaet-tv-doku-entlarvt-das-maerchen-vom-emissionsfreien-autofahren_id_10789038.html
3 AfD NRW vom 15.01.2019  https://afd.nrw/aktuelles/2019/01/wie-die-e-auto-luege-den-wohlstand-vernichtet/
4 https://pubs.acs.org/doi/pdf/10.1021/acs.est.6b00830    Cradle-to-Gate Emissions from a Commercial Electric Vehicle Li-Ion Battery: A Comparative Analysis Publication Date:June 15, 2016 
5 https://www.wiwo.de/technologie/mobilitaet/blick-ins-archiv-hajeks-high-voltage-1-nachgerechnet-wann-elektroautos-sauberer-sind-als-verbrenner/25218614.html


 

Antw.: Elektro-PKW so klimaschädlich wie ein Verbrenner?

Antwort #1
Elektroautos nur so klimafreundlich wie die Stromgewinnung
am 21.6. wurde von vielen Medien (u.a. Stuttgarter Zeitung) von einem Apell von 171 Wissenschaftlern an die EU-Kommission berichtet, der sich gegen falsche Berechnung des CO2-Ausstoßes bei E-Autos richtet. Kern der Kritik ist, dass die Hersteller so rechnen, als ob sich beliebig viel Strom aus dem Energiemix des verbrauchten Stromes entnehmen ließe. Angenommen die erneuerbaren Energien, deren Anteil in Deutschland etws über 40 bis 45% liegt, werden voll genutzt, so muss ja jeder zusätzliche Verbraucher auf die fossilen Kraftwerke zurückgreifen, die dann hochgefahren werden. Dadurch kommen die Wissenschaftler auf über die doppelte CO2-Emission als z.B. VW angibt. Also bei der Lebensdauer von 220 000km würden 30 anstatt 14 Tonnen CO2 erzeugt. Dazu kommt ja ein von den Verbrennern bekanntes Herunterrechnen des Verbrauchs durch unrealistische Testzyklen.
Das erinnert mich daran: als ich mir ein neues Auto beschaffen wollte vor knapp 2 Jahren, möglichst ein Hybrid, da entschied die Bundesregierung, deren Kauf zu subventionieren, aber nur die Plugin-Hybride. Mir drängte sich die nicht sehr populäre Annahme auf, die Bundesregierung wolle damit den Energiekonzernen lukrative Absätze beschaffen, so dass sie ihre dreckigen Kraftwerke wieder höher auslasten können. Ich besorgte mir einen normalen Hybrid, der reduziert den Benzinverbrauch ca. um 1/4.
In diesem Zusammenhang rechnete ich aufgrund eines ADAC-Tests mit einem Opel Mocca (Kompaktwagen) nach: Er hat eine Batterie mit der Kapazität 50kWh. Damit soll laut Hersteller 324km gefahren werden können, die ADAC-Tester stellten 250km Reichweite fest, also 20kWh auf 100km. Jede in Deutschland erzeugte kWh verursacht im Durchschnitt je nach Rechenart zwischen 400 und 500 g CO2. Es ist allerdings so, dass ein Teil des Stromes teurer als extra erneuerbarer Strom verkauft wird. Es ist also für die übrigen Kunden der statistische Strommix gar nicht mehr verfügbar. Für zusätzliche Verbraucher erst recht nicht. Wir müssen hier also mit fast 1000g pro kWh rechnen. Für 100km in unserem Beispiel also 20kg, für 20 000km 4 Tonnen. Das ist ähnlich wie im vorigen Beitrag die Verbrenner emittierten. Es kommt also auf die Energiepolitik an, ob sich E-Autos lohnen.